Datum: 18.02.2022
Ort: Bonn
Ressorts: Literatur, Wirtschaft, Wissenschaft
Kunde: Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn
Wie verhalten wir uns im beruflichen Umfeld? Ist die Körpergröße wirklich für mehr Gehalt verantwortlich? Fordern Frauen seltener Gehaltserhöhungen? Oder werfen wir alle unsere moralischen Bedenken über Bord, wenn nur genügend Geld lockt?
In seinem neuen Buch präsentiert Matthias Sutter, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn und Professor für Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Köln und Innsbruck, 50 verhaltensökonomische Erkenntnisse für das Berufsleben. Basierend auf wissenschaftlichen Studien und eigenen langjährigen Erfahrungen spannt der österreichische Ökonom dabei einen Bogen vom Berufseinsteiger bis zum Vorstandsmitglied. Jedes Kapitel wirft eine Kernfrage auf und vermittelt eine zentrale Einsicht, wovon Erfolg im Berufsleben abhängen kann. „Die Verhaltensökonomie hat in den letzten Jahren so viele spannende Erkenntnisse darüber gewonnen, wie sich Menschen im beruflichen Umfeld verhalten und Entscheidungen treffen, sodass ich diese einem breiteren Publikum verständlich und wohlproportioniert zugänglich machen wollte“, erklärt Sutter die Motivation für sein neues Buch. „Außerdem beleuchten gängige Ratgeber das Berufsleben manchmal aus einem einseitigen Blickwinkel. Hier wollte ich mit dem Blick auf die ‚große Klammer‘, also mit Erkenntnissen für alle Stufen und Hierarchien einer beruflichen Laufbahn - und für Frauen und Männer gleichermaßen - eine fundierte Alternative bieten.“
Studien und eigene Berufserfahrung als Forschungsgrundlage
Vom Berufseinstieg über berufliche Erfolge bis zum Aufstieg auf den Chefsessel: Sämtliche Abschnitte eines Berufslebens hat Sutter in über 25 vergangenen Jahren selbst durchlebt – manchmal auch durchlitten - sie stellen seit über 20 Jahren einen Schwerpunkt seiner verhaltensökonomischen Forschung dar. Dabei gewann er häufig auch überraschende Erkenntnisse, die eigenen Erwartungen widersprachen, beispielsweise über die vorteilhaften Wirkungen von Quotenregelungen. Welche Erkenntnisse waren für den österreichischen Ökonomen im Zuge der Arbeit für sein neues Buch überraschend? „Im Grunde die Einsicht, dass in allen Bereichen und Stufen des Berufslebens typisch menschliche Verhaltensweisen zu häufig unerwarteten Ergebnissen führen“, so Sutter. „Das zeigt sich an vielen Beispielen, etwa warum Bonuszahlungen kontraproduktiv wirken können oder warum Unternehmen mit unterdurchschnittlich vielen Frauen in der Belegschaft weniger lange überleben.“
Verhaltensökonomie bietet idealen methodischen Rahmen
Die Verhaltensökonomie ist eine relativ neue Disziplin in der Wirtschaftswissenschaft. Sie nutzt empirische Methoden, um Motive für menschliches Verhalten zu ergründen und daraus folgende Entscheidungen besser erklären zu können. Viele der in Sutters neuem Buch beschriebenen Erkenntnisse basieren auf sogenannten „Feldexperimenten“, also auf Studien, die in normalen Arbeitsprozessen durchgeführt wurden. Neben Feldexperimenten spielen auch sogenannte „Laborexperimente“ in der Verhaltensökonomie eine große Rolle, an denen meist Studierende teilnehmen. Jedes Kapitel im Buch „Der menschliche Faktor – oder worauf es im Berufsleben ankommt“ basiert auf ein bis zwei Studien zu den betreffenden Themen, die Sutter mit Erfahrungen aus dem eigenen beruflichen Alltag in Zusammenhang bringt. Die Studien stammen aus Ländern der ganzen Welt - Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, England, aber auch aus den USA, aus Japan oder China. Ungefähr ein Vierteil der dem Buch zugrundeliegenden Studien hat Sutter selbst durchgeführt.
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