Wenn ein Festival, das sich einem ganz besonderen Zweig der Musik widmet, in bereits seiner 42. Auflage die weltbesten Interpreten in die Hauptstadt der Alpen bringt, kann man zu Recht stolz sein. Besucher aus aller Welt schätzen die Festwochen, denn sie stehen für allerhöchste Qualität: Oberste Maxime des Festivals ist: Originalklang, also die Aufführung der Musik auf Instrumenten damaliger Bauweisen und mit den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis. Innsbrucks imperiale Vergangenheit bietet die perfekten Aufführungsorte dazu.

Opern von Barock bis Belcanto
Seit jeher bilden die Aufführungen von (Barock-)Opern im Originalklang das Herzstück der Innsbrucker Festwochen, ob auf der Bühne des Tiroler Landestheaters oder im Innenhof der Theologischen Fakultät, wo die Stars der Zukunft die Barockoper:Jung gestalten. Die jungen Sänger interpretieren diesmal Francesco Cavallis „Gli amori d’Apollo e di Dafne“ („Die Liebe von Apollo und Daphne“). Effektvoll in Szene gesetzt wird die griechische Mythenwelt in der Kulisse eines Schattentheaters. Dass nicht nur Meisterwerke des Barock, sondern auch jüngere musiktheatralische Werke eine besondere Wirkung entfalten, wenn sie historisch informiert aufgeführt werden, zeigen Dirigent Alessandro De Marchi und Star-Regisseur Jürgen Flimm anhand von Giuseppe Saverio Mercadantes romantischer Oper „Didone abbandonata“ („Die verlassene Dido“) von 1823. Es wird dies sicher eines der Highlights der diesjährigen Festwochen sein, hat Jürgen Flimm doch an den renommiertesten Opernhäusern der Welt gearbeitet wie der Mailänder Scala, der Metropolitan Opera, dem Royal Opera House Covent Garden, der Berliner Staatsoper Unter den Linden, dem Opernhaus Zürich, bei den Bayreuther Festspielen und als Intendant bei den Salzburger Festspielen. Es sei, so De Marchi, „jedes Mal eine Erleuchtung, dass die musikalischen Ideen dieser italienischen Epoche erst im Originalklang deutlich zur Wirkung kommen“. Italianitá auch bei der dritten – halbszenischen – Aufführung bei den Festwochen: Johann Adolf Hasses Serenata „La Semele, o sia La richiesta fatale“ („Semele oder Der verhängnisvolle Wunsch“) entstand 1726, einige Jahre nach der Übersiedelung des norddeutschen Komponisten nach Neapel.

Die Welt im Konzertsaal und in der Kirche
Eine ausgedehntere Reise unternehmen Festwochenbesucher im Konzertprogramm des Festivals. Spanien, England, Deutschland und Südamerika sind stark vertreten, etwa bei den Konzerten „Die Zeit steht still“ in der Kapelle von Schloss Ambras, „Misa Criolla“ in der Reihe Open Mind und „Mysterien“ rund um Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Sebastian Bach. Italien spielt jedoch auch dabei die Hauptrolle, und so können sich Zuhörer in Innsbruck in die Klangwelten der italienischen Musikzentren Neapel, Venedig und Rom vertiefen. Antonio Vivaldi vertritt die venezianischer Kompositionskunst, Domenico Scarlatti, Arcangelo Corelli, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Antonio Montanari stehen für die Heilige Stadt, Andrea Falconieri und Giovanni Antonio Pandolfi Mealli für Neapel. Ihre Werke sind zu hören, wenn bei den Ambraser Schlosskonzerten Anna Fusek und das Ensemble Kavka „Nordkette und Vesuv“ zusammenbringen und das Ensemble Arminiosa das „Vivaldi-Fieber“ verbreitet, wenn im Innsbrucker Dom „David und Goliath“ aufeinandertreffen, in Stift Stams zum Gottesdienst italienisch beeinflusste Kirchenmusik erklingt oder beim Festwochenkonzert „Zwischen Himmel und Hölle“ die Tradition der Moriskentänzer beleuchtet wird. Getanzt werden wird wohl auch, wenn das Ensemble Zeitgeist an öffentlichen Innsbrucker Orten beim „Concerto Mobile“ sinnlich-wilde Tanzmusik des Barock zu Gehör bringt. Das Festivalmotto „Bewegte Welten“ ist hierbei durchaus wörtlich zu nehmen.

Instrumente zum Klingen bringen
Klingen soll die wilde wie die sanfte Musik selbstverständlich so schön und original wie möglich – ein Kunststück, das Interpreten nicht allein durch virtuoses Spiel, sondern auch mithilfe ausgezeichneter Instrumente zuwege bringen. Kein Wunder, dass die Innsbrucker Festwochen diesmal den Instrumentenbauern einen Schwerpunkt widmen. Zum einen würdigen sie in Konzerten, einem Kinderworkshop und einem Vortrag den Absamer Jakob Stainer (1619–83), dessen Geigen Heinrich Ignaz Franz Biber ebenso spielte wie die Orchestermusiker an der Seite Johann Sebastian Bachs und der das Klangideal für die Wiener Klassik formte. Zum anderen gedenken sie mit dem Konzert „Windspiele“ des Innsbrucker Holz- und Blechblasinstrumentenbauers Rudolf Tutz (1940–2017), dessen nach historischen Vorlagen gebaute Flöten, Klarinetten, Bassetthörner, Trompeten und Oboen in aller Welt gespielt werden.

Alte Musik auf allen Wegen
Das Weltumspannende der Musik, ihre allgemeine Verständlichkeit zu betonen, ist eines der großen Anliegen der Innsbrucker Festwochen. Dies zeigt sich sowohl in der Auswahl der Musik als auch bei Veranstaltungen wie den Lunchkonzerten im Hofgarten, „Mit Pauken und Trompeten“ unter dem Goldenen Dachl und dem Finalkonzert des Cesti-Gesangswettbewerbs. Hier wird auch die Brücke zum nächsten Jahr gespannt – die Sieger des Cesti-Bewerbes singen traditionell immer im darauffolgenden Jahr in der Jungen Oper. Die ganze Pracht und Lebensfreude der Renaissance erleben Kinder und Erwachsene beim Schlossfest Ambras, das mit seinen Musikanten, Gauklern, Akrobaten, noblen Herren und adeligen Fräulein seit je einen festlichen Fixpunkt des Sommers bildet.

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In der Auswahl der Musik und auch bei den Veranstaltungen zeigt ...weiter

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Festwochen der Alten Musik, Sommer

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