„Die offene Gesellschaft baut darauf auf, dass ein stabiler Rechtsstaat existiert, dass Institutionen sicherstellen, dass niemand die alleinige Macht hat“, mit diesen Worten hat am Donnerstag in Lech am Arlberg der deutsche Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer den 10. Europäischen Mediengipfel thematisch eröffnet. Er wies in seiner engagiert vorgetragenen Eröffnungsrede darauf hin, dass der „mediale Umgang mit Rechtspopulismus unklug ist.“ Denn dadurch, dass solche Themen überproportional diskutiert werden, würden sie diskursfähig gemacht. Zudem müsse man sich bewusst sein, dass „aus etlichen Studien der Nachkriegszeit bekannt ist, dass es ein Fünftel der Bevölkerung gibt, welches Vorurteile hat und rassistisch ist,“ betonte der Soziologe.

„25 Jahre Ruhe, diese ist jetzt vorbei“

Anschließend sprach auch der ehemalige tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg über den Populismus in Europa und Österreich – über die Politik im postfaktischen Medienzeitalter. „Keine radikalen Gruppen sind schuld an unserer Parteienentwicklung, es sind unsere Fehler“, betonte Schwarzenberger, der fast eine Stunde frei referierte. Außerdem sprach er die „Ideenlosigkeit der Parteien“ an. „Die letzte neue Idee, die in der Parteienlandschaft entstand, stammt von den Grünen und dies ist knapp 50 Jahre her.“ Angesichts dieser Einfalts- und Ideenlosigkeit seitens der Parteien dürfe man sich nicht wundern, dass die Wählerschaft gelangweilt sei. Schwarzenberg schloss seinen Prolog mit den Worten. „Die Politiker müssen endlich sehen, dass sich etwas verändern muss. Wir hatten 25 Jahre lang Ruhe, diese ist jetzt vorbei.“

Referenden als Ventil missbraucht

Abgeschlossen wurde der erste Tag des Mediengipfels mit einer Podiumsdiskussion mehrerer Experten über die Entwicklung in der EU und in den USA. Auf dem Panel diskutierten die New-York-Times-Korrespondentin Alison Smale, der Afrika-Experte Hans Stoisser, Karel Schwarzenberg, der Europaparlamentarier Othmar Karas und der ehemalige bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein. Die Diskussion wurde von Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin „Der Standard“, geleitet.

Auf die Frage „Wir befinden uns in einer neuen Phase der Instabilität mit Brexit und Trump, wer ist daran Schuld und wie geht es weiter?“ gab es unterschiedliche Antworten.

Alison Smale bezeichnete den Brexit als gefährlich, weil es in Großbritannien keine geschriebene Verfassung gebe. „Die Regierung hat die Verantwortung an die Wählerschaft abgegeben.“ Schwarzenberg meinte zum Thema Brexit: „Ich bin ein Gegner von Referenden, weil da andere Fragen beatwortet werden, als gestellt werden.“ Brüssel habe hier sein politisches Ziel verfehlt und man habe sich nicht sonderlich bemüht, das Vereinigte Königreich in der EU zu halten. Othmar Karas nahm diesen Ball auf und benannte ein weiteres Problem: „Wen meinen wir, wenn wir von Brüssel sprechen? Die Mitgliedsstaaten sind nicht bereit, richtig zusammenzuarbeiten, auch nicht im Außengrenzschutz.“

Fotogalerie APA-Fotoservice: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/ODM0MnwzNjNjZTNjZDYxMzg5MjI2YjRhNTViMmFlZTJkYWNkNw==/

LIVE-TICKER zum 10. Europäischen Mediengipfel unter http://mediengipfel.mohomedia.net/live/mediengipfel16

Weitere Infos unter http://www.mediengipfel.at/de/index.php

Über den Mediengipfel

Seit dem Gründungsjahr 2007 bildet der Europäische Mediengipfel in Lech am Arlberg einen außergewöhnlichen Rahmen für Diskussionen, in denen ungefilterte Einblicke und fundierte Ausblicke in die anhaltend turbulente Welt der Medien, die europäische Politik und die wirtschaftlichen wie gesellschaftspolitischen Zusammenhänge der europäischen Lebensrealität geboten werden. Der unter der Schirmherrschaft des österreichischen Außenministeriums stehende Europäische Mediengipfel – von der Kommunikationsagentur pro.media kommunikation initiiert und seither federführend mit Lech Zürs Tourismus GmbH und dem Verband der Auslandspresse in Wien organisiert – wird von der Gemeinde Lech und dem Land Vorarlberg, dem Europäischen Parlament, dem Presseclub Concordia und der Tagezeitung „Der Standard“ sowie von der D. Swarovski Tourism Services Gmbh, der Telekom Austria Group und Mercedes Benz unterstützt. Weitere Partner sind die Standortagentur Tirol sowie die Tirol Werbung. Als Medienpartner der Veranstaltung fungieren Der Standard, Neue Zürcher Zeitung, nzz.at,  APA – Austria Presse Agentur, Handelsblatt, Tiroler Tagezeitung sowie Vorarlberger Nachrichten. Unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments (EVP) findet ein Stipendienprogramm für 15 Studierende statt. Weiters ermöglicht eine internationale Medienakademie 15 NachwuchsjournalistInnen Praxiserfahrung unter Echtzeitbedingungen. Die Medienakademie wird unterstützt vom Europäischen Parlament, dem Forum für Journalismus und Medien Wien, APA – Austria Presseagentur sowie der Moser Holding und Russ Media.

*Die Aussendungen zum Europäischen Mediengipfel 2016 werden im Rahmen der Medienakademie unter der Leitung des Schweizer Medienexperten Markus Spillmann erstellt.

 

...
weiter lesen

Video embed-code

<iframe src="https://player.vimeo.com/video/194043746?title=0&byline=0&portrait=0" width="500" height="281" frameborder="0" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe>

Fotos, 300 dpi


Bildeten das hochkarätige Podium am Europäischen Mediengipfel Lech (v.r.): Alexandra Föderl-Schmid ...weiter

Medienkontakt

Stefan Kröll
ProMedia
Maximilianstraße 9
6020 Innsbruck
t: +43 512 214004-11
m: +43 664 5258868
f: +43 512 214004-21
www.newsroom.pr
stefan.kroell@pro.media

Rückfrage-Hinweis

Mediengipfel

Karte

Anschrift

Maximilianstraße 9
Innsbruck, Österreich
Telefon: +43 512 214004

email@newsroom.pr

 

Social Media

News per email

Sie wollen per Newsletter immer top aktuell informiert werden? Dann sind Sie hier goldrichtig!

ProMedia