Tirol ist ein Wasserschloss: 90 % des heimischen Trinkwassers kommt aus Quellen. Bei langen Trockenperioden oder infolge von Naturereignissen kann es trotzdem zu Wasserknappheit in den Gemeinden kommen. Ein neues Infrastrukturpaket des Landes soll die interkommunale Zusammenarbeit bei der Wasserversorgung nun stärken, eine Imagekampagne und weitere Maßnahmen das Bewusstsein für das kostbare Gut steigern.

„Wasser ist die wichtigste Grundlage unseres Lebensraums, deshalb müssen wir unser Trinkwasser bestmöglich schützen und nützen. Wir setzen auf eine zukunftstaugliche, krisensichere und effiziente Wasserversorgung“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler bei einer Pressekonferenz anlässlich des von der Lebensraum Tirol Holding initiierten Perspektivenforums zum Tiroler Trinkwasser. „Tirol ist zwar dank über 10.000 Quellen im Gegensatz zu vielen anderen Ländern und Regionen reich mit Trinkwasser gesegnet, dennoch müssen wir bereits jetzt vorsorgen, um diesen Wasserschatz für künftige Generationen abzusichern und verfügbar zu halten – nicht zuletzt angesichts des Klimawandels, der zwangsläufig auch Auswirkungen auf unsere Wasserversorgung haben wird“, so LH-Stv. Geisler.

Erhöhung des bestehenden Förderprogramms um 10%
Das Land Tirol ruft dazu ein mehrjähriges Förderprogramm aus, das die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit in der Trinkwasserversorgung stärken soll. Konkret geht es im Rahmen des Förderprogramms um finanzielle Unterstützung von Infrastrukturprojekten und Bauvorhaben zur Wasserversorgung der Gemeinden. „Wenn sich Tiroler Gemeinden künftig noch stärker zusammentun, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen und Versorgungsausfällen vorzubeugen, können solche Vorhaben mit bis zu 35 % Förderung von Bund und Land unterstützt werden, das ist eine Steigerung von 10 % zu den bisherigen Förderungen“, so Geisler. Die Versorgungssicherheit kann etwa durch alternative Wassergewinnungsstellen oder Verbindungsleitungen zu anderen Wasserversorgern erhöht werden.

Interessierte Gemeinden können sich in einer ersten Runde für die erhöhte Förderung bewerben. Voraussetzung ist, dass sich mehrere Gemeinden zur Zusammenarbeit entschließen. In fünf ausgewählten Pilotregionen wird dann die Wasserversorgung von Experten auf den Prüfstand gestellt, um die Infrastruktur gemeinsam weiterentwickeln zu können. Die für diese Analyse anfallenden Kosten werden von der Lebensraum Tirol Holding zu 50% übernommen. Sie umfasst die Erhebung der vorhandenen Infrastruktur und der Wasserressourcen im Verhältnis zur Bedarfsentwicklung und ist die Basis für ein Erschließungs- und Umsetzungskonzept der zu treffenden Infrastrukturmaßnahmen.

Wasserschatz Tirol – (k)eine Selbstverständlichkeit
Gemeinsame Planungen mit und zwischen den Tiroler Trinkwasserversorgern, systematische Vorbereitungen auf mögliche Krisensituationen und der gezielte vorsorgende Schutz der lebensnotwendigen Ressource Trinkwasser bilden für Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf wesentliche Ansatzpunkte für eine stabile, nachhaltige Trinkwasserversorgung: „Die Tiroler Gemeinden sind sich ihrer Verantwortung für eine krisensichere Versorgung von Bevölkerung und Gästen mit hochwertigem Trinkwasser bewusst.“

Das Tiroler Trinkwasser stammt in den öffentlichen Anlagen aus insgesamt 2.700 Tiroler Wassergewinnungsstellen, mit mehr als 90 % aus Quellen und mit weniger als 10 % aus Brunnen. Mehr als 96 % der Bevölkerung werden aus einer der rund 760 öffentlichen Anlagen sicher mit Trinkwasser versorgt. Betrieben werden diese Anlagen großteils von Gemeinden und Genossenschaften. Zudem gibt es in Tirol noch 4.000 Einzelwasserversorgungsanlagen. In Summe ist das öffentliche Trinkwassernetz, das unter der Erde verläuft, 6.400 Kilometer lang. Dieses umfassende Trinkwassernetz muss laufend saniert werden, um eine Versorgung für die kommenden Generationen sicherstellen zu können, sind sich Experten einig.

„Durch die gemeindeübergreifende und regionale Zusammenarbeit kann die Leistungsfähigkeit und die Effizienz der Wasserversorgung maßgeblich gesteigert werden. Die Bevölkerungsentwicklung, der Klimawandel und technische Weiterentwicklungen erfordern kontinuierliche Anpassungen, um das hohe Niveau der Versorgungssicherheit in Tirol weiterhin erfolgreich halten zu können“, unterstreicht Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft im Land Tirol.  Das Instandhalten und rechtzeitige Reinvestieren in Bauwerke wie Quellfassungen, Hochbehälter und Wasserversorgungsleitungen spielen die zentrale Rolle für die zukunftssichere Tiroler Trinkwasserversorgung.

Bewusstseinsbildung für den Tiroler Naturschatz startet
Tausende Quellen machen Tirol zu einem Wasserschloss Europas, ein im wahrsten Sinne des Wortes kostbarer Naturschatz. Die Europäische Umweltagentur warnt mit Blick auf Europa hingegen vor einer Wasserknappheit und geht davon aus, dass künftig etwa ein Drittel des EU-Gebiets dauerhaft oder vorübergehend der Belastung durch Wasserknappheit ausgesetzt sein wird. 

Die Lebensraum Tirol Holding wurde damit betraut, einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten und eine Bewusstseinsbildung zum Thema Trinkwasser zu gestalten und umzusetzen. Der Kampagnentitel lautet Wasser.Erbe.Tirol. „Mit dieser jüngsten Lebensraum-Initiative möchten wir generationenübergreifend das Bewusstsein für unseren heimischen Wasserschatz sowie den achtsamen Umgang damit steigern. Außerdem wollen wir mit unserer nachhaltigen Wasserwirtschaft ein Stärkefeld aufbauen und Tirol langfristig auch im internationalen Kontext als Wasserschloss profilieren“, so Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding.

Anlässlich des österreichischen TRINK’WASSERTAGS am 15. Juni 2022 setzt die Lebensraum Tirol Holding zudem ein klares Signal zum Start dieser Bewusstseinskampagne. So fand am Vorabend eine Expertendiskussion u.a. mit Bernd Jenewein (GF der ARGE Umwelt-Hygiene GmbH), Daniela Gruber (Leitung Produktions- und Innovationsmanagement Silberquelle), Robert Gschleiner (Geschäftsbereich Wasser der IKB), Rupert Ebenbichler (GF der Wasser Tirol GmbH), Ulrike Tappeiner (Professorin an der Fakultät für Biologie der Universität IBK), zum Thema „Tiroler Wasserschatz – Wie schützen und wie nützen wir unser Trinkwasser?“ im ORF Studio 3 statt.


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Fotos, 300 dpi

(v.li.) Markus Federspiel (Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft im Land Tirol), LH-Stv. Josef Geisler, Josef Margreiter (GF Lebensraum Tirol Holding), Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf, Rupert Ebenbichler (GF Wassser Tirol)

Lebensraum Tirol Holding / Oss


(v.li.) Markus Federspiel (Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft im Land Tirol), LH-Stv. ...weiter

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