Teuerung und steigende Verschuldung: VG Tirol stellten Projekt „VINZIHilfe“ vor
Schuldlos verschuldet? - Die Vinzenzgemeinschaften können helfen

Vor dem Hintergrund von Inflation und steigender Verschuldung in Teilen der Bevölkerung präsentierten die Vinzenzgemeinschaften Tirol (VG) ihre 2006 gegründete Initiative „VINZIHilfe“ im Rahmen eines Pressegesprächs erneut. Diese Kleinschuldnerberatung konzentriert ihr Tun auf Menschen, die mit dem Begleichen alltäglicher Rechnungen, Miete oder Strom in Verzug geraten sind und ist aktuell wieder vermehrt gefragt. Im weiteren Verlauf des Pressetermins boten die Verantwortlichen einen Rückblick auf die Aktivitäten der Vinzenzgemeinschaften im Jahr 2022/23 und gaben Einblick in ihre Pläne und Ziele für 2024. Auch eine erste Bilanz zum Kinder- und Jugendhilfsprojekt VINZIZukunft wurde gezogen, das Freiwilligen zur Mithilfe offensteht.

Datum: 09.11.2023
Ort: Innsbruck
Ressorts: Erziehung, Gesellschaft, Soziales
Kunde: Vinzenzgemeinschaften Tirol

Die anhaltende Teuerung hat in den letzten Jahren viele Menschen in finanzielle Notlagen gebracht, und die Armut breitet sich zum Teil auch im Mittelstand aus. Die Vinzenzgemeinschaften Tirol möchten diesem Umstand Rechnung tragen und stellten deshalb im Rahmen eines Pressegesprächs VINZIHilfe, die Kleinschuldnerberatung der karitativen Organisation, vor: „Die Vinzenzgemeinschaft St. Martin VINZIHilfe wurde 2006 gegründet, um Menschen in finanzieller Not zu helfen. Unser Tun inkludiert die Bereiche Schuldnerberatung und Schuldenregulierung. Unsere Arbeit entlastet nicht zuletzt auch die ortsansässigen Vinzenzgemeinschaften, die sonst in diesem Bereich tätig sind. Etwa ein Drittel der Fälle kann rasch gelöst werden, 50 Prozent erfordern intensivere Bearbeitung, und etwa 15 weitere Prozent sind leider unlösbar. Die Gründe für die Verschuldung sind vielfältig, von Kontoüberziehung bis zur Spielsucht“, so Gerhard Achammer, Obmann von VINZIHilfe. Während der Pandemiezeit war die Anzahl der Anfragen eher moderat, seit Anfang 2023 steigt die Nachfrage nach Schuldenberatung wieder. Die als „Vinzenzgemeinschaft St. Martin“ in Innsbruck gegründete Kleinschuldnerberatung setzt auf den bewährten Grundsatz der vinzentinischen Arbeit: „Keine Hilfe ohne Hausbesuch.“ Folglich wird auf ein eigenes Büro verzichtet, um die Beratungen in der gewohnten Umgebung der Ratsuchenden abzuhalten. VINZIHilfe hat bereits 16 engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewonnen, die in speziellen Schulungen für diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet wurden. Bei Bedarf wird mit der Schuldnerberatung zusammengearbeitet.

Jahresbilanz:  Insgesamt 83 Vinzenzgemeinschaften in Tirol, Rekordsumme bei Hilfen, neuer Elektro-VINZIBus
Im zweiten Teil des Pressetermins zog Karoline Knitel, Präsidentin der VG Tirol, eine äußerst positive Bilanz: „Im Jahr 2022 haben die 83 Vinzenzgemeinschaften in Tirol insgesamt rund 750.000 Euro an Unterstützungen verteilt. Dank der Spenden von Privaten und Unternehmen sowie staatlicher Hilfe konnten etliche Betroffene hinsichtlich ihrer Energie- und Haushaltskosten entlastet werden. Zur Linderung der Einsamkeit ist geplant, verstärkt Besuchsdienste anzubieten. Wir sind stolz auf die Einführung des umweltfreundlichen VINZIBus, der elektrisch fährt. Ich freue mich auch, dass wir mit Nadine Steinert, mit 26 Jahren die jüngste Obfrau einer Vinzenzgemeinschaft im Unterland, und Michael Wötzer, einem 38-jährigen Wirtschaftler zwei junge Menschen als Verstärkung im Kreis unseres Zentralrats begrüßen konnten. Sie können im Dachverband ihre Ideen zur verstärkten Einbindung von jungen Menschen in die vinzentinischen Tätigkeiten einbringen und umsetzen.“ Auf die Pandemiezeit zurückblickend meinte Knitel: „Im Frühjahr 2022 – als viele noch in der Corona-Starre verharrten – wurden unsere Aktivitäten wieder vollständig aufgenommen. Wichtig war uns hierbei, dass auch die ‚Hoangartstuben‘ wieder öffnen konnten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Einsamenbegleitung, für die wir im Jahr 2024 einen weiteren Ausbau planen. All diese Maßnahmen sind wichtige Meilensteine auf dem Weg Richtung Zukunft.“

VINZIZukunft – Rückblick auf ein Jahr Bestehen, Ausblick auf weitere Vorhaben und Ideen
Die Folgen der Coronapandemie, die besonders Kinder und Jugendliche sehr belastet hatten, wirkten sich für diese in der Bewältigung des täglichen Lebens, besonders auch im schulischen Umfeld aus. Viele Kinder und Jugendliche kämpfen mit Unsicherheiten und Ängsten, haben den Anschluss an die Gemeinschaft verloren und bedürfen spezieller Zuwendung. Daher wurde die Initiative VINZIZukunft mit Sitz in der Innsbrucker Mentlgasse gegründet. Ehrenamtliche unterstützen diese Kinder und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen durch Lernhilfen und Sprachkurse und fördern sie durch gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Sport, Spiel und Kultur. Die Vinzenzgemeinschaften möchten den jungen Menschen Begleiter sein auf dem Weg heraus aus der Isolation zurück in den Alltag, in die Gemeinschaft. Vorrangige Zielgruppe sind derzeit die Schulkinder in Innsbruck. Die fachliche Arbeit, z.B. bei familiären Problemen, deckt Herrad Weiler, Psychotherapeutin und Klinische Psychologin, mit ihren Mitarbeiter:innen ab. Eine enge Zusammenarbeit erfolgt derzeit mit der Direktorin der Volksschule Alt Wilten. Neun Kinder nutzen derzeit die regelmäßige angebotene Unterstützung um ihre Fähigkeiten für den jeweiligen Alltag verbessern. Christoph Wötzer, Präsident der Vinzenzgemeinschaften: „Kinder und Jugendliche in Not sind den Vinzenzgemeinschaften ein besonderes Anliegen. Die Arbeit der VINZIZukunft in den ersten Monaten ist ermutigend und zeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist, um jungen Menschen eine bessere Perspektive zu bieten.“
Freiwillige gesucht: Die VINZIZukunft sucht Verstärkung für das Team, um die Begleitdienste weiter ausbauen zu können. Gebraucht werden Menschen aller Altersgruppen, die Freude daran haben, Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und ihnen damit wieder neue positive Lebensperspektiven zu geben. Interessierte werden gebeten, sich jederzeit gerne an die E-Mail-Adresse vinzizukunft@gmx.at zu wenden.

Über die Vinzenzgemeinschaften Tirol
Die Vinzenzgemeinschaften sind Vereine für Jung und Alt und agieren unter dem Motto „Gemeinsam helfen“. Sie kümmern sich in einem Stadtteil, Ort oder Seelsorgeraum um Menschen in seelischer und materieller Not, unabhängig ihrer ethnischen Herkunft, der Weltanschauung oder ihres Religionsbekenntnisses. Die Mitglieder der VG fragen nicht nach der Schuld und machen keine Vorwürfe. Es ist eine verschwiegene und stille Hilfe, getragen von einer christlich sozialen Wertlehre. In Tirol gibt es aktuell 83 Vinzenzgemeinschaften. Derzeit können rund 440.000 Menschen, also rund 60 Prozent der Tiroler Bevölkerung, Dienste von Vinzenzgemeinschaften in Anspruch nehmen. Die konkreten Projekte sind u.a.: VINZIBus – Ein Imbiss für Menschen ohne Bleibe; VINZIDach – Förderungen von Projekten im Obdachlosenbereich; VINZIHand – Beschäftigungsinitiative; VINZIHerberge – Waldhüttl Begegnungszentrum; VINZIHilfe Kleinschuldnerberatung; VINZIWort – Einsamenbegleitung.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.vinzenzgemeinschaften-tirol.at
oder auf dem Social-Media-Kanal: Instagram www.instagram.com/vinzenzgemeinschaftentirol/


Gerhard Achammer (Obmann „VINZIHilfe“) über die Kleinschuldnerberatung der Vinzenzgemeinschaften Tirol.

Karoline Knitel (Präsidentin der Vinzenzgemeinschaften Tirol) berichtet kurz zu einigen Aktivitäten der Vinzenzgemeinschaften im abgelaufnenen Jahr.

Christoph Wötzer (Präsident der Vinzenzgemeinschaften Tirol) über die Kinder- und Jugendlichenhilfe „VINZIZukunft“.