Vertrauen in der digitalen Welt: Symposium und Ehrenzeichenverleihung der Österreichischen Notariatskammer
Die Österreichische Notariatskammer veranstaltete am 22. Oktober 2026 anlässlich ihres jährlichen Delegiertentages im Haus der Musik in Innsbruck ein Symposium mit Ehrenzeichenverleihung. Unter dem Titel „Vertrauen braucht Verantwortung“ brachte das Symposium gesellschaftliche, mediale und rechtliche Perspektiven zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie technische Möglichkeiten und menschliche Verantwortung sinnvoll ineinandergreifen können.
Datum: 23.10.2026
Ort: Innsbruck
Ressorts: Wirtschaft, Wissenschaft
Kunde: Österreichische Notariatskammer
Gastgeber Mag. Oskar Platter, Präsident der Notariatskammer für Tirol und Vorarlberg, eröffnete den Abend: „Es ist uns eine große Freude, den Delegiertentag und das damit verbundene Symposium in Tirol auszurichten. Wenn Gäste aus Wirtschaft, Gesellschaft, Medien und Politik sowie Notarinnen und Notare aus ganz Österreich zusammenkommen, entsteht ein wertvoller Dialog über die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen in unserem Berufsstand. Solche Begegnungen stärken den Austausch und das Verständnis füreinander“, so Mag. Oskar Platter.
Ehrenzeichen für wissenschaftliche Verdienste um das österreichische Notariat
Ein Höhepunkt des Abends bildete die Verleihung des Ehrenzeichens für wissenschaftliche Verdienste um das österreichische Notariat an Univ.-Prof. Dr. Manfred Umlauft, Vizepräsident a. D. der Notariatskammer für Tirol und Vorarlberg. Umlauft war mehr als 30 Jahre als öffentlicher Notar in Dornbirn tätig und veröffentlichte über 40 rechtswissenschaftliche Publikationen.
Hon.-Prof. Dr. Claus Spruzina, Präsident der Österreichischen Notariatskammer, führte durch die Verleihung: „Mit Manfred Umlauft erhält erstmals ein ehemaliges Standesmitglied dieses Ehrenzeichen. Er hat dem österreichischen Notariat wertvolle Impulse gegeben und Wissenschaft und Praxis nie als getrennte Welten gesehen. Seine Haltung war immer durch den folgenden Maßstab geprägt: Klar in der Sache, offen für Diskussionen, ohne persönlichen Streit. Ich gratuliere ihm seitens der Österreichischen Notariatskammer herzlich zu dieser wohlverdienten Auszeichnung.“
„Diese Auszeichnung erfüllt mich mit großer Freude. Das Vertrauen, das Notarinnen und Notare in unserer Gesellschaft genießen, ist ein wertvolles Gut, und es lohnt sich, dafür auch in Zukunft zu arbeiten. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben“, zeigte sich Univ.-Prof. Dr. Manfred Umlauft erfreut über die Auszeichnung.
Keynote: „Vertrauen in der digitalen Welt – Was Technik kann und wofür es Menschen braucht“
Im Anschluss hielt die Autorin und Journalistin Ingrid Brodnig eine Keynote über Echtheit, Verantwortung und Rechtssicherheit im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Brodnig veröffentlichte bisher sieben Bücher, zuletzt „Feindbild Frau“, und schreibt eine regelmäßige Kolumne für die Tageszeitung Der Standard.
Die zentrale These, die Ingrid Brodnig den Gästen an diesem Abend mitgab: „KI-Tools arbeiten mit Wahrscheinlichkeitsrechnung. Etwas kann korrekt gerechnet und trotzdem faktisch falsch sein. Künstliche Intelligenz ist ‚jagged intelligence‘: Sie ist in manchen Punkten super intelligent, scheitert dann aber an Dingen, an denen Menschen nicht scheitern. Und hinzu kommt: Wenn eine KI nur noch in einem von 100 Fällen falsch liegt, übersieht man Fehler leicht. Deshalb brauchen wir Fachleute, die Fehler erkennen, und klare Regeln, auf die sich Menschen verlassen können.“
In der anschließenden Diskussion sprachen Ingrid Brodnig, Matthias Krapf, Chefredakteur und Verlagsgeschäftsführer der Tiroler Tageszeitung, und Claus Spruzina, Präsident der Österreichischen Notariatskammer, darüber, wie neue Technologien und künstliche Intelligenz unser Vertrauen in Informationen und Institutionen verändern.
Hon.-Prof. Dr. Claus Spruzina, Präsident der Österreichischen Notariatskammer: „KI-generierte Texte erfordern oft mehr Zeitaufwand, als selbst zu schreiben. Die Erfahrung bringt die Ergebnisse. KI unterstützt, der Mensch verantwortet. Bei uns geht es um Lebensentscheidungen, dafür braucht es Empathie und Verantwortung. Die KI wird den Fachmann nicht ersetzen, aber ein Fachmann mit KI wird einen Fachmann ohne KI ersetzen. Wir wollen mit KI mehr Zeit für die Menschen gewinnen. KI darf niemals die persönliche Beratung ersetzen.“
„Echt ist, was nicht falsch ist. Für uns Journalistinnen und Journalisten heißt das: nach Standards arbeiten und sagen können: Diese Information stimmt. Angesichts dessen, was KI produziert, ist geprüfte Information unsere Chance. Denn diese Leistung ist letztendlich auch, wofür wir Medien bezahlt werden wollen. Und KI darf uns keinesfalls die Freude an der Kreativität nehmen“, betonte Matthias Krapf.
Im Anschluss klang der Abend beim Get-together aus.
Redaktionell frei verwendbar
O-Ton Univ.-Prof. Dr. Manfred Umlauft, Vizepräsident a. D. der Notariatskammer für Tirol und Vorarlberg & Träger des Ehrenzeichens für wissenschaftliche Verdienste um das österreichische Notariat
O-Ton Hon.-Prof. Dr. Claus Spruzina, Präsident der Österreichischen Notariatskammer
O-Ton Mag. Oskar Platter, Präsident der Notariatskammer für Tirol und Vorarlberg
O-Ton Ingrid Brodnig, Autorin und Journalistin
O-Ton Matthias Krapf, Chefredakteur und Verlagsgeschäftsführer der Tiroler Tageszeitung