Vinzenzgemeinschaften gehen mit der Zeit – Jahresbericht, soziale Absicherung und Seelsorgeräume als Konzept der Zukunft

Mehr als 170 Jahre nach Gründung der ersten Vinzenzgemeinschaft ist die ursprüngliche Idee präsenter denn je. Der Gründer der ersten Vinzenzgemeinschaft (VG) Antoine-Frederic Ozanam (1813-1858) brachte es auf den Punkt: „Unsere Aufgabe ist es, aktiv zu dienen.“ Dieser Gedanke ist heute noch genauso stark zu spüren, auch wenn sich in der Zwischenzeit einiges geändert hat.

Datum: 09.04.2019
Ort: Innsbruck
Ressorts: Chronik, Gesellschaft, Soziales
Kunde: Vinzenzgemeinschaften Tirol

78 Vinzenzgemeinschaften, 750 Mitglieder, 2000 Helferinnen und Helfer
Das vergangene Jahr war wieder ein erfolgreiches für die Vinzenzgemeinschaften Tirol. Mittlerweile haben rund 40% aller Tiroler die Möglichkeit, sich mit ihren Problemen an eine der 78 Vinzenzgemeinschaften zu wenden. Dies geht aus dem Jahresbericht 2018 hervor.
Die im letzten Jahr verwirklichte Änderung der Führungsriege bedeutet für die Gemeinschaften einen großen Gewinn: Karoline Knitel ist als neue Präsidentin für das allgemeine Tagesgeschäft verantwortlich, ihr Vorgänger Christoph Wötzer bleibt den Vinzenzgemeinschaften in den Bereichen Begleitarbeit, Sponsoring und Neugründung mit seiner großen Erfahrung als Ehrenpräsident erhalten. In seiner achtzehnjährigen Zeit als Präsident erfolgten 32 Neugründungen bei einer gleichzeitigen Versechsfachung der Finanzhilfe für Menschen in Not auf heuer 770.000 €. Dieses Budget kam allein im vergangenen Jahr 5.000 Haushalten zugute, die mit Lebensmittelgutscheinen und Betriebskostenbeiträgen zur Vermeidung von Delogierungen unterstützt wurden. Zusätzlich wurden allein im VINZIBus 30.000 Mahlzeiten ausgegeben. Diese bemerkenswerten Leistungen werden von 750 Mitgliedern und 2.000 Helfern, die ehrenamtlich die vinzentinische Tätigkeit unterstützen, vollbracht. Karoline Knitel betont einen weiteren wichtigen Punkt im ehrenamtlichen Engagement: „Sämtliche Mitglieder und Helfer sind umfassend haftpflicht-, unfall- und rechtsschutzversichert. So können wir potenziellen freiwilligen Helfern eine mögliche Hürde für ihr Engagement nehmen.“

12 Jahre Kleinschuldnerberatung – VINZIHilfe
Seit nunmehr 12 Jahren werden im Rahmen der VINZIHilfe Menschen in der Schuldenfalle beraten. „Bereits über 500 Menschen konnte damit die Last der Schulden genommen werden“, so Knitel. Die VINZIHilfe wurde gegründet, um die Vinzenzgemeinschaften in der Alltagsarbeit zu entlasten. Nunmehr bringen die Vinzenzgemeinschaften Tirol die Dienste der Kleinschuldnerberatung auch in das Projekt der „Nachbarschaftshilfe in Innsbruck“ ein. Im Zuge dieses Gemeinschaftsprojektes mit den Innsbrucker Sozialen Diensten werden Menschen stadtteilbezogen mit Hilfe im Alltag, Besuchsdiensten und jetzt mit Kleinschuldnerberatung unterstützt.
Präsidentin Knitel verkündet weiters, nicht ohne Stolz, eine weitere Neuerung: „Durch den Ausbau der Kleinschuldnerberatung im vergangenen Jahr ist dieses Angebot nun auch in den Außenstellen Landeck und Imst verfügbar und erfüllt für uns so eine weitere richtungsweisende Regionalisierung.“

Vinzenzgemeinschaften stärken das Gemeinschaftswohl
Die Gründung der 76. VG in Götzens zeigte, wie es im Laufe des Jahres 2018 gelingen konnte, über eine VG ein stabiles Netzwerk zwischen Schule, Gemeinde, Altersheim und der Pfarre Götzens aufzubauen. Federführend dabei waren die Obfrau Dorothee Hainz-Kaserbacher und ihr Team. Die Obfrau schildert die Notwendigkeit der Einbindung der Menschen und Einrichtungen, die sozial tätig sind: „Damit wir gemeinsam stärker werden und damit Menschen in Not noch besser geholfen werden kann.“

Seelsorgeräume sind für die Vinzenzgemeinschaften die Zukunft
Durch den Priestermangel werden von der Diözese Pfarrgemeinden zu einem „Seelsorgeraum“ verbunden. „Diese Strukturen nützen die Vinzenzgemeinschaften, um auch bei den Neugründungen das Gebiet eines Seelsorgeraumes anstelle einer Gemeinde abdecken zu können“, so Ehrenpräsident Wötzer, und er erläutert die Umsetzung: „Der Sitz der Vinzenzgemeinschaft befindet sich in einer Gemeinde, Vertrauenspersonen sind in den jeweiligen Pfarren Auge und Ohr für die Nöte der Menschen; sie sind im Vorstand mit Sitz und Stimme vertreten. So kann - auf viele Schultern verteilt - vielseitige Hilfe geleistet werden.“ Auch die 77. VG im Seelsorgeraum der Pfarren Pill, Terfens und Vomperbach ist nach diesen Grundsätzen ausgerichtet.
Mittelfristiges Ziel ist, dass in jedem Seelsorgeraum wenigstens eine Vinzenzgemeinschaft wirkt und damit das Netz der sozialen Absicherung durch die Vinzenzgemeinschaften in Tirol engmaschiger wird.

OT Karoline Knitel, Präsidentin Vinzenzgemeinschaften Tirol

OT Christoph Wötzer, Ehrenpräsident Vinzenzgemeinschaften Tirol

OT Dorothee Hainz-Kaserbacher, Obfrau Vinzenzgemeinschaft Götzens