Bereits vor vier Jahren haben die Vinzenzgemeinschaften Tirol eine Beschäftigungsinitiative für Asylwerber, Notstandbezieher und Mindestsicherungsempfänger ins Leben gerufen: Im Rahmen von „VINZIHand“ können Menschen, die zuhause Hilfe brauchen, Unterstützung bekommen. „Mit dieser Beschäftigungsinitiative haben wir eine Vorreiterrolle übernommen“, bestätigt Dietmar Günther, Obmann VinziHand. „Mit bisher rund 30 000 Stunden konnte Menschen bei Diensten wie Rasenmähen, Saubermachen, Bügeln oder Schneeschaufeln geholfen werden. Die HelferInnen sind dabei mit Haftplicht- Unfall- und Rechtsschutzversicherung umfangreich abgesichert.“

Im Asylbereich leisten dabei laut Günther derzeit rund 80 Asylwerber Hilfe. Die positiven Erfahrungen mit VINZIHand in Tirol waren auch Einfluss gebend zur Einführung des Dienstleistungsscheckes durch den Bund, mit dem Asylwerber seit wenigen Monaten österreichweit eine gesetzlich verankerte Moeglichkeit haben, mit Diensten im Haushalt gegen Bezahlung tätig zu sein.

Drei Neugründungen und drei Jubiläen

Die Praxis hat gezeigt, dass Ehrenamt dann gut funktioniert, wenn es organisiert und auf Dauer eingerichtet ist. Beide Voraussetzungen erfüllen die Vinzenzgemeinschaften. Gerade für kleine Orte mit rund 2000 Einwohner sind Vinzenzgemeinschaften als Nahraumversorgungskonzept eine ideale Ergänzung. Unter dem Dach der Vinzenzgemeinschaften ist eine umfassende Absicherung in Form von Haftpflicht, Rechtschutz und Unfallversicherung sowie einer Veranstaltungshaftpflicht (Seniorennachmittage, Pfarrkaffees) gewährleistet und die Dienste können besser koordiniert und wirksamer umgesetzt werden. Es freut die Vinzenzgemeinschaften daher ganz besonders, dass sie heuer mit Polling, Ehrwald und Patsch drei Neugründungen aufweisen können. „Eine Vinzenzgemeinschaft ist für jede Gemeinde ein Gewinn und der Geist unseres Tuns, die Menschen zu nehmen wie sie sind, Schuld nicht zu hinterfragen und Hilfestellung zu leisten unabhängig der Religion und der Herkunft ist aktuell wie vor 400 Jahren“, so Christoph Wötzer, Präsident der Tiroler Vinzenzgemeinschaften. 

Grund zur Freude bereiten heuer auch drei Jubiläen: „In diesem Jahr begehen wir 400 Jahre Vinzentinische Idee, 170 Jahre Vinzenzgemeinschaften Österreich und Tirol sowie 5 Jahre VINZIHerberge – Waldhüttl. Die Jubiläen werden im Rahmen einer Charity-Veranstaltung am 28.11.2017 in der Neuen Mittelschule im Olympischen Dorf gefeiert“, gibt die amtsführende Vizepräsidentin, Karoline Senn, bekannt.

45 Jahre Frauen bei den Vinzenzgemeinschaften Tirol

Neben den drei Jubiläen freut man sich auch ganz besonders darüber, dass seit nun 45 Jahren Frauen in der Vinzenzgemeinschaft tätig sind. „Dieser Schritt ist natürlich von großer Bedeutung. Mehr als die Hälfte der VinzentinerInnen sind Frauen“ erklärt Senn. Oskar Wötzer öffnete als damaliger Präsident die Vinzenzgemeinschaften für Frauen, inzwischen sind 43 Gemeinschaften in Frauen-  und 32 in Männerhand. 


Weitere Informationen zu den Jubiläen:

400 Jahre Vinzentinisches Charisma:
Die Grundidee wurzelt in der organisierten Hilfe für Notleidende, umgesetzt durch Vinzenz von Paul, Priester in Frankreich im 16. Jahrhundert. Anfang des 19. Jahrhunderts hat der französische Gelehrte und Gründungsvater Frederic Ozanam Studenten um sich geschart, um der damaligen Not zu begegnen. Nach seinem Vorbild Vinzenz von Paul nannte er sie „Vinzentiner“ – daraus entstanden die Vinzenzgemeinschaften. Vinzenz von Paul ist also Vater des Geistes der Vinzenzgemeinschaften und Namenspatron. 

170 Jahre Vinzenzgemeinschaften Österreich und Tirol:
Die älteste Vinzenzgemeinschaft Österreichs wurde in St. Jakob in Innsbruck im Jahre 1847 gegründet. Die Gründungsväter waren Professor Michael Heidegger und der Serviten Pater Magnus Bertsager.

5 Jahre Vinziherberge – Waldhüttl:
Das multikulturelle Projekt Waldhüttl ist eine Erweiterung der Individualbetreuung. Die Vinzenzgemeinschaften suchten damals für 12  bis 15 Roma, die als 20er Verkäufer fungierten und Sommer und Winter im Auto geschlafen und gelebt haben, eine Herberge. Über persönliche Kontakte organisierte Jussuf Windischer, derzeit Obmann, das Gebäude, das dem Stift Wilten gehört. Ursprünglich gab es ein Haupthaus, das gemeinsam mit dem Stift Wilten generalsaniert und wieder bewohnbar gemacht wurde. Die Sanierungszeit dauerte einige Monate. In der Folge kam auch das Gesindehaus dazu, das ebenfalls saniert und renoviert wurde.  Ein wenig später stellte das Stift Wilten ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück für den Gartenbau und eine Kleintierzucht für die Selbstversorgung kostenlos zur Verfügung. Hinzu kam noch ein Tipi für Veranstaltungen.
Für das 5-Jahres-Jubiläum der Vinziherberge Waldhüttl wird eine eigene Feier am 7. Oktober um 18.00 Uhr im Waldhüttl veranstaltet.
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Gingen im Rahmen eines Pressegespräches auf die Beschäftigungsinitiative "VinziHand", drei Neugründungen ...weiter

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