Die jungen Alpinisten Wolfgang Nairz, Oswald Ölz, Hansjörg Hochfilzer, Horst Fankhauser, Reinhold Messner, Andi Schlick, Franz Jäger, Josl Knoll und Hans Hofer machten sich 1972 von Tirol aus auf den Weg zur Manaslu-Südwand. Zur damaligen Zeit waren Expeditionen dieser Art eine Reise ins Ungewisse: „Wir hatten nur Skizzen über die Grenzverläufe zu Tibet, heute China, und ein paar Dias von der Gegend“, so Wolfgang Nairz, der Leiter der Expedition. Getrieben war die junge Gruppe damals von der Sehnsucht, die Berge der Welt zu besteigen, denn außer Messner war noch niemand von ihnen im Himalaya gewesen.
Der Film „Sturm am Manaslu – die Tiroler Himalaya Expedition 1972“ arbeitet die Tragödie dahinter auf: Lawinenabgänge und ein White-Out machten diese Expedition zu einer einschneidenden und lebensverändernden Erfahrung. Zwei der Expeditionsteilnehmer, Andi Schlick und Franz Jäger, kamen durch einen Schneesturm am Manaslu tragisch ums Leben. „Es ist kein gewöhnlicher Bergfilm“, so Reinhold Messner. „Wir, die fünf noch lebenden Teilnehmer, wollten zum einen die sozialen Rahmenbedingungen beleuchten, in denen wir zu dieser Expedition aufbrachen – einige hatten Kinder und Frauen – und zum anderen wollten wir so viele Jahre danach kritisch unser Tun hinterfragen“. Zur Reflexion standen ca. 50 Dias und einige Tonaufnahmen der Funksprüche am Berg zur Verfügung. Auf Schloss Juval trafen sich die Überlebenden zu einem offenen Gespräch über die Geschehnisse damals. Nur zwei Szenen, die Lawinenabgänge im Schmetterlingstal und das White-Out am Plateau unterhalb des Gipfels, wurden am Fuße des Ortlers nachgespielt. Die restlichen Filmminuten beinhalten die Emotionen und Gedanken, welche die Fünf in Südtirol wiederaufleben ließen.
Selbst 50 Jahre danach fällt es den Beteiligten teilweise immer noch schwer, über das Erlebte am Manaslu zu sprechen: „Auf der Suche nach Franz im White-Out verloren wir, also Andi und ich, ebenfalls die Orientierung. Uns gelang es, eine Schneehöhle zu bauen, aber Andi ließ es keine Ruhe, er wollte weitersuchen. Dann ging er nach rechts weg und das ist das letzte Bild, das ich von ihm habe. Dann bist du allein in der Hölle“, so Horst Fankhauser, Bergführer und ehemaliger Hüttenwirt der Franz-Senn-Hütte.
Produziert und größten Teils finanziert wurde der Film von Reinhold Messner selbst. Der Reinerlös der Premiere am 10. November um 20:00 Uhr im Metropol Kino in Innsbruck kommt der NepalHilfe Tirol, dem Verein zur Förderung medizinischer und sozialer Projekte in Nepal, zugute, deren Obmann Wolfgang Nairz ist. Abschließend schilderte Messner die Beweggründe für alpines Bergsteigen: „Es war damals die Wildnis, in der wir unterwegs waren, und wir wussten beim Losgehen, dass die Rückkehr ungewiss ist. Aber man geht als Alpinist freiwillig dorthin, wo man umkommen kann, um nicht umzukommen – Bergsteigen ist die Auseinandersetzung mit der großen Natur“.