Der Kriminalpsychologe Thomas Müller bot einen psychologischen Exkurs am Beispiel der Angst. Angst sei normal und lebensnotwendig, solange sie nicht lähme. Müller rät bei Angst zum Perspektivenwechsel und dazu, Ängste zu verstehen, um sie zu überwinden. Wichtig in der Auseinandersetzung mit der Furcht sei es auch, das eigene Ego und die damit verbundene Scham zu überwinden sowie offen zu kommunizieren: „Der Zusammenhang zwischen falscher Kommunikation und Angst ist nachgewiesen: Klare Kommunikation ist der Schlüssel bei der Überwindung von Ängsten.“ Eine gesunde Angst könne auch lebenserhaltend sein und nicht derjenige sei mutig, der keine Ängste kenne, sondern derjenige, der in der Lage sei, seine Ängste zu bezähmen, so Müller.
Der Philosoph Konrad Paul Liessmann sprach über geografische, rechtliche, soziale, moralische und philosophische Grenzen, die sowohl trennende als auch verbindende Funktionen hätten. „Recht setzt Grenzen und schränkt damit unsere Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen ein“, so Liessmann. Gleichzeitig würden die Grenzen aber auch Schutz bieten. Er hob hervor, dass Grenzen nicht dazu da sind, um andere auszugrenzen, sondern um Schwache vor Starken zu schützen. Der Philosoph plädierte für ein ernsthaftes Verständnis von Grenzen, während er gleichzeitig ihre Veränderbarkeit und die Möglichkeit ihrer Überschreitung als Voraussetzung für Fortschritt und Entwicklung betonte. Ein ausgewogener Umgang mit Grenzen würde die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit wahren.
Am Freitagnachmittag fanden Diskussionen und Kamingespräche von Impact Lech in gemütlicher Atmosphäre auf der Rud-Alpe statt. Die ehemalige Korrespondentin des ORF in Washington, Hannelore Veit, schilderte in ihrer Keynote zum Thema „USA – What’s next?“ die Herausforderungen und Kontroversen der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen, insbesondere in Bezug auf die Kandidaten Donald Trump und Joe Biden. Trump könnte der erste verurteilte Straftäter sein, der Präsident wird, Biden werde als zu gebrechlich wahrgenommen. Trumps Charisma und seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern, würden seine Popularität weiter steigern. Er gelte als „Showman“, sei aber politisch unberechenbar und könnte eine autoritäre Richtung einschlagen. Seine Wirtschaftspolitik, seine Maßnahmen zur Einwanderung sowie seine energiepolitischen Ansichten könnten erneut Zuspruch finden. Veit unterstrich auch, dass Europa gut beraten wäre, sich selbstbewusster auf der globalen Bühne zu positionieren, um besser auf eine mögliche Rückkehr Trumps vorbereitet zu sein.
Der langjährige Russland-Korrespondent des ORF, Paul Krisai, thematisierte in seinem Vortrag „Russland – What’s next?“ die kürzliche Ausweisung der ORF-Korrespondentin Maria Knips-Witting aus Russland und die zunehmende Einschränkung der Pressefreiheit im Land. „Es wird weiterhin sehr wichtig sein, nicht nur über, sondern aus Russland zu berichten, um ein umfassendes Verständnis der Lage zu bewahren“, so Krisai. Der 29-jährige Journalist ging auch auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der westlichen Sanktionen auf Russland ein: „Sanktionen alleine werden den Krieg nicht stoppen, aber sie erhöhen den Preis, den Russland für den Einmarsch in die Ukraine bezahlt.“ Durch die Maßnahmen würde sich insbesondere die zunehmende russische Abhängigkeit von China zeigen. Krisai spekulierte auch über die Zukunft Russlands nach Putin, wobei er keinen demokratischen Aufbruch, sondern eher Chaos und Machtkämpfe erwarten würde.