„Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor und Arbeitgeber für Tirol. Seine Bedeutung geht weit über reine Nächtigungszahlen hinaus und spiegelt sich auch in Wertschöpfung, Beschäftigung, Einkommen sowie in den regionalen Leistungen der TVBs wider“, sagt Benjamin Kneisl, Vorstandsvorsitzender des VTT.
Die beiden Studien beleuchten unterschiedliche, einander ergänzende Seiten des Tourismus: Die GAW quantifiziert die direkten, indirekten und induzierten Effekte des Nächtigungstourismus für das Tourismusjahr 2024/25. Das MCI Tourismus erfasst die tatsächlichen Aufwendungen der Tourismusverbände für 2024 sowie Budgetvoranschläge für 2026.
Vom Urlaubsgast bis zum Zulieferbetrieb: Tourismus stärkt Tirols Wirtschaft
Der GAW-Wertschöpfungsatlas untersucht die wirtschaftlichen Effekte des Nächtigungstourismus in den Gebieten der 34 Tiroler Tourismusverbände. Dabei unterscheidet die Studie direkte Effekte in touristischen Betrieben, indirekte Effekte bei Zulieferern und induzierte Effekte, die entstehen, wenn tourismusbedingt erzielte Einkommen wieder ausgegeben werden. „Die wirtschaftliche Wirkung des Tourismus endet nicht an der Hoteltür oder im Restaurant. Wenn ein Betrieb Lebensmittel, Bauleistungen oder andere Dienstleistungen einkauft oder in Anspruch nimmt, profitieren auch Zulieferer und Beschäftigte in anderen Branchen. Die Einkommen, die dort erzielt werden, fließen wiederum in die Wirtschaft zurück“, sagt Stefan Haigner, Gesellschafter der GAW.
Besonders anschaulich wird die Verflechtung der Verbände am Beispiel der Inntalfurche, wie Haigner erläutert: „Ein Gast kann in einem Tal übernachten, während Lebensmittel für die Verpflegung von einem landwirtschaftlichen Betrieb aus einer anderen TVB-Region stammen. Der Landwirt hat wiederum einen Steuerberater aus Innsbruck. So werden direkte, indirekte und induzierte Effekte greifbar.“ Die touristische Nachfrage reicht damit über die eigentliche Urlaubsdestination hinaus. Die Inntalfurche ist ein wichtiger Standort für Vorleistungen. Zugleich zeigt das Beispiel, dass Nächtigungszahlen allein die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Regionen nicht vollständig abbilden.
TVBs sichern Freizeitqualität im Lebensraum:
Die MCI-Erhebung erfasst die tatsächlichen Aufwendungen der Tourismusverbände im Jahr 2024 sowie Budgetvoranschläge für 2026. „Im heurigen Jahr stehen den Verbänden rund 280 Millionen Euro aus Aufenthaltsabgaben und Pflichtbeiträgen zur Verfügung. Davon ordnet die Studie rund 191 Millionen Euro – etwa 68 % – Ausgabenbereichen zu, die positive Wirkungen auf den Lebensraum haben. 2024 standen den Verbänden 243 Millionen Euro zur Verfügung. Rund 160 Millionen Euro (66 %) entfielen auf Ausgaben für den Lebens- und Erholungsraum. Das bedeutet, dass in beiden Jahren deutlich mehr als die Hälfte der verfügbaren Mittel auf lebensraumbezogene Investitionen entfielen“, so Hubert Siller, Leiter des MCI Tourismus.
Zu den erfassten Bereichen der Studie zählen unter anderem Freizeitinfrastruktur, Mobilität, Veranstaltungen, Unterstützung von Vereinen und Institutionen sowie Leistungen für die Landwirtschaft. Für Sommer- und Winterfreizeitinfrastruktur wendeten die Verbände 2024 rund 49,4 Millionen Euro auf, wovon laut TVB-Angaben 92 % in die österreichische Wirtschaft flossen. Für 2026 sind rund 72 Millionen Euro für Infrastrukturinvestitionen budgetiert.
Auch bei Mobilität und Veranstaltungen engagieren sich die Verbände: 2024 entfielen rund 19,9 Millionen Euro auf Mobilitätsaufwendungen, für 2026 sind rund 21,7 Millionen prognostiziert. Etwa 22,8 Millionen wurden 2024 in Veranstaltungen und Events investiert, 2026 wird die Summe mit 24,7 Millionen beziffert. Vereine und Institutionen erhielten rund 3,2 Millionen Euro, für 2026 sind 3,7 Millionen vorgesehen. Für die Landwirtschaft weist die Erhebung rund 2,2 Millionen Euro aus, wovon ein großer Teil auf Abgeltungen für konkrete landwirtschaftliche Leistungen entfällt. Für 2026 wird mit rund 2,3 Millionen gerechnet.
„Die Erhebung macht sichtbar, wie breit die Aufgaben der Tourismusverbände sind. Neben der touristischen Vermarktung geht es auch um Infrastruktur, Mobilität, Veranstaltungen und die Zusammenarbeit mit Vereinen und Landwirtschaft. Diese Ausgaben können die Lebensqualität in den Regionen unterstützen“, so Siller.
Kneisl: „Wo Einheimische und Gäste profitieren, entsteht Mehrwert für die Region“
Für den VTT zeigen die Studien, dass der Tourismus weit mehr ist als eine Frage der Nächtigungszahlen. Seine Verflechtungen reichen in viele Branchen und Bereiche. „Die Tourismusverbände sind nicht nur wesentliche Finanzierungspartner für regionale Vorhaben. Gemeinsam mit Gemeinden, Vereinen und Betrieben greifen sie den Bedarf vor Ort auf, entwickeln und setzen Projekte um. So gestalten sie unseren Lebensraum aktiv mit“, führt Kneisl aus. Lebensraumbezogene Investitionen sollen Einheimischen und Gästen zugutekommen: „Der Nutzen für die Bevölkerung ist für uns kein bloßer positiver Nebeneffekt. Wo beide Gruppen profitieren, entsteht ein Mehrwert für die Region“, hebt Kneisl hervor. Da die Gegebenheiten in den Regionen unterschiedlich sind, hält der VTT einheitliche, zentral gesteuerte Investitionsvorgaben für ganz Tirol nicht für zielführend. „Die Mittel sollen bei den Tourismusverbänden bleiben. Sie kennen die Anforderungen in ihren Regionen und können gemeinsam mit den Partnern vor Ort dort ansetzen, wo die Nutzenstiftung am größten ist“, betont Kneisl.